Re: Pressemitteilung des LV Bremen
hallo lieber erich,
zunächst vielen dank für deine entschuldigung, die mich ehrlich freut und die ich gern annehme. auch, wenn ich sicher bin, dass die pressemitteilung euch mehr geschadet hat als mir und ihr euch in erster linie bei euch selbst entschuldigen müsstet.
ich kann mir zwar kaum erklären, warum eine solche pressemitteilung überhaupt durch die bundespressestelle versendet wird (passiert das wirklich ohne vorheriges durchlesen?), aber auch das ist tatsächlich euer problem. ich fand, dass die beschimpfungen eine nach dem tod von heinrich lübke im politischen zirkus selten gewordene mischung aus grotesk, lustig und selbstdemontierend waren.
was nicht nur euer problem ist, sondern ein größeres: die haltung, mit der die pressemitteilung verfasst wurde, entspricht einer, die ich in vielen online- und offline-diskussionen bei piraten und piratensympathisanten wiederfinde, die spätestens jetzt nicht mehr als "einzelne schwarze schafe" bezeichnet werden können. es handelt sich um den glauben, im besitz der allgemeingültigen wahrheit zu sein und den rest der gesellschaft vom hohen ross herab in gut und böse unterteilen zu können (in der pressemitteilung mustergültig vorgeführt durch den (konstruierten) gegensatz zwischen dem "wahren helden" markus beckedahl und der im übrigen falsch geschriebenen "blockwurst", also mir).
diese haltung des absoluten wahrheitsbesitzes hört und fühlt sich an wie die katholische kirche im mittelalter. sie wirkt äusserst negativ, und zwar nicht nur nach aussen, sondern auch nach innen, wo dadurch die falschen kräfte, die auch in eurer partei zahlreich und bis in die höchsten gremien vertreten sind, gestärkt werden.
warum ist das nicht nur euer problem?
weil ich glaube, dass die piratenpartei äusserst wichtige themen behandelt, die für die gesellschaft in den nächsten jahren von der politik verhandelt werden müssen. bei einem teil der themen ähneln meine ansichten der der piratenpartei, ganz nebenbei gesagt, in anderen bereichen differieren wir erheblich - aber wichtig ist die diskussion, aus der am ende gesetze entstehen. wenn dort dieser tonfall bei der piratenpartei durchscheint, spielt man den gegnern eines offenen internets in die hände. wer guten grund hat, den boten nicht ernst zu nehmen, hat es leichter, die botschaft auch lächerlich zu machen*.
insofern würde ich dich/euch bitten, der inneren siebzehnjährigkeit in der partei noch entschiedener entgegenzuwirken.
mit lieben grüssen,
sascha lobo
* ein vorwurf, den ich auch ab und an höre, der sicher nicht vollkommen unberechtigt und aus der luft gegriffen ist, hier aber nicht funktioniert, weil ihr eine partei seid und ich eine privatperson.
Von: Piratenpartei Deutschland Bundespressestelle <presse@piratenpartei.de>Datum: 18. Januar 2010 09:21:49 MEZBetreff: Etablierte Parteien bangen um ihre Wählerstimmen
Etablierte Parteien bangen um ihre WählerstimmenDie etablierten Parteien rüsten zum Wettstreit um die Gunst der
Piratenpartei-Wählerschaft auf. Angela Merkel kündigte kürzlich an, die
CDU auch für neue Wählergruppen interessant machen zu wollen und nun
legen auch die Sozialdemokraten nach [1][2].Nachdem die damaligen Regierungsparteien im letzten Bundestagswahlkampf
bewiesen haben, wenig Kompetenz im Bereich Internet zu besitzen, will
die SPD jetzt ihren Internetrat wiederbeleben. Dieser hatte sich kurz
vor der Wahl, aus Protest gegen die eigene Partei, selbst aufgelöst. Für
einen Neuanfang will die SPD nun mit den Protagonisten der Szene
zusammenarbeiten. Den Anfang soll dabei ausgerechnet der Blogger Sascha
Lobo machen, der seinen "guten" Namen bei Vodafone verbrannt hat und
neulich auf Platz 7 der hundert peinlichsten Berliner gewählt wurde [3].»Mit dem Versuch, durch "Blockwurst" Lobo Stimmen zu gewinnen, beweist
die SPD, die innerhalb der Bloggerszene nur noch den Titel "Die
Verräterpartei" trägt, eindrucksvoll ihr fehlendes Gespür für die
Community und deren Anliegen«, sagt Erich Sturm, Vorsitzender der
Piratenpartei Bremen. »Innerhalb der Community herrschen Prinzipien, die
nicht einfach umgangen werden können. So ist es zum Beispiel nicht
möglich, einmal verlorene Glaubwürdigkeit wiederzuerlangen. Der
narzisstische Lobo stellt sich jedoch mit Aussagen, wie seinem Vorsatz,
2010 dringend arroganter zu werden, immer mehr ins Abseits« [4][5].Dass es gelingt, wahre Helden der Szene, wie den Netzpolitik-Blogger
Markus Beckedahl, zu instrumentalisieren, darf getrost bezweifelt
werden. Die Ignoranz, mit der die etablierten Parteien ihnen im letzten
Wahlkampf begegnet sind und ihre Empfehlungen in den Wind geschlagen
haben, ist noch längst nicht vergessen.SPD, CDU und CSU haben durch ihr bisheriges Verhalten viele Anhänger
verloren und glauben nun, durch solche Aktionen wieder Land gewinnen zu
können. Für die internetaffine Generation hat sich die Piratenpartei
jedoch als einzig legitimer politischer Arm durchgesetzt und daran kann
auch der Internetrat der SPD nichts ändern. Im Gegenteil, die Kraft, die
investiert wird, um zu beweisen, dass die Piratenpartei überflüssig ist,
bestätigt uns in unserem Handeln. Sie stellt die Angst der etablierten
Parteien dar, immer mehr Stimmen an die Piratenpartei zu verlieren.
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Quellen:
[1]
http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article1344493/CDU-Chefin-geht-auf-interne-Kritiker-zu.html
[2]
http://www.ad-hoc-news.de/waehler-spd-will-um-waehler-der-piratenpartei-werben--/de/Politik/20869297
[3]
http://www.tip-berlin.de/kultur-und-freizeit/die-100-peinlichsten-berliner
[4]Vorsatz für 2010: dringend arroganter werden.
— Sascha Lobo (@saschalobo) January 16, 2010
[5]
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/1838978_Sascha-Lobo-Der-Netzbeschmutzer.html?sid=528608ecf2127454fa7c55fa7b6e84a8
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