Anfrage für eine Statement bzgl. Thilo Sarrazin

Sehr geehrte Damen und Herren in der Pressestelle der Bundesbank,

ich recherchiere für einen Artikel über Thilo Sarrazin und würde Sie
bitten, zeitnah zu folgenden Fragen Stellung zu nehmen:

1) Können Sie bestätigen, dass Thilo Sarrazin bei einem Vortrag in
Darmstadt folgende Passagen gesagt hat:
"Wir [die Deutschen] werden auf natürlichem Wege dümmer" und als Grund
dafür Zuwanderer "aus der Türkei, dem Nahen und Mittleren Osten und
Afrika" angegeben hat?
(Wenn Sie über eine Mitschrift oder ein Transskript des Vortrags
verfügen, dann würde ich mich über eine Zusendung freuen).

2) Ist aus der Sicht der Bundesbank die Verknüpfung des stark
wertenden und verallgemeinernden Begriffs "dümmer" mit den Zuwanderern
aus genannten Gebieten rassistisch? Wenn nein, warum nicht?

3) Wenn diese Schlußfolgerung stimmt und also Thilo Sarrazin
rassistische Äusserungen gemacht hat, ist er dann noch als
Bundesbank-Vorstand tragbar? Wenn ja, warum?

4) Gibt es Reaktionen auf die Äusserungen von Thilo Sarrazin aus den
angesprochenen Ländern/Regionen?

Mit freundlichen Grüssen,

Sascha Lobo

PS: Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich diese Anfrage
veröffentlichen werde

Fragen zu Israel

Hallo lieber Andre Stüwe, (und liebe Bundespressestelle der Piratenpartei),

ich habe für einen geplanten Medienbeitrag ein paar Fragen, von denen ich hoffe, dass Sie sie mir beantworten können.

Die erste und wichtigste:
Ist der (in der Folge zitierte) Kommentar in Ihrem Namen auf Aaron Koenigs Blog von Ihnen?

"Toll...der Spiegel hat Beweise? Der Spiegel gehört indirekt Israel und hat somit selbst das Anliegen dem Iran zu schaden. In dieser Beziehung ist der Spiegel unglaubhaft. Das "Regime, das Jerusalem besetzt hält" ist die selbe Ausrede wie die "Taliban, Feinde des Westens" weil jeder islamische Kriegsherr sich die Palästinenser als Alibi zu Eigen macht. Warum soll der ach so demokratische Westen sich auf dieses Niveau herabgeben.Wir sind nicht besser als Die! Demokratie hat nichts mit Kriegsoffensiven zu tun. Ich als Pirat, und alle Piraten mit denen ich sprach über dieses Thema sind gegen diesen Krieg.
Aaron...lass Dich nicht von Kriegstreibern manipulieren und fang endlich an selbst zu denken!
mit freundlichen Grüßen, Andre Stüwe
Vorstandsvorsitzender im LV Sachsen"

Link:
http://aaron-koenig.blogspot.com/2010/02/zum-jahrestag-der-iranischen-diktatu...

Wenn der Kommentar von Ihnen stammt, bitte ich Sie, zu folgenden Fragen Stellung zu nehmen:

2. Was genau meinen Sie mit der Aussage, "der Spiegel gehört indirekt Israel"?

3. Den üblichen, vertrauenswürdigen Quellen entnehme ich ausnahmslos, dass der Spiegel den Mitarbeitern, dem Verlag Gruner + Jahr und den Kindern von Rudolf Augstein gehört. Können Sie nachvollziehen, dass sich damit Ihre Äußerung anhört, als seien Sie von einer "jüdischen Weltverschwörung" überzeugt?

4. Glauben Sie an weitere Weltverschwörungen oder nur an die jüdische? Und wenn ja, welche Weltverschwörungen sind das genau?

5. Haben Sie weitere Fälle von Weltverschwörung in ihrem direkten politischen Umfeld? Kennen Ihre Mitpiraten in Sachsen Ihre Ansichten? Spielen diese Ansichten bei Ihrer täglichen politischen Arbeit eine Rolle? Wissen Sie, wie der Bundesvorstand der Piratenpartei solche Weltverschwörungstheorien betrachtet?

6. Wie stehen Sie persönlich zu Isreal und zum Judentum? Sie müssen diese Frage außerhalb Ihres Amtes natürlich nicht beantworten, es wäre aber schon interessant, so im Gesamtkontext, da müssen Sie mir recht geben.

7. Weshalb sprechen Sie vom "ach so demokratischen Westen"? Zweifeln Sie an der Demokratie in Deutschland?

Sie sind sicher nicht böse, wenn ich diese Anfrage parallel auch an die Pressestelle der Piratenpartei Deutschland schicke, weil Sie Ihren Kommentar ja ganz offensichtlich nicht als Privatperson, sondern im Amt abgegeben und unterzeichnet haben.

Die Frage an die Bundespressestelle lautet:
Wäre für die Piratenpartei ein Landesvorstandsvorsitzender tragbar, der an eine jüdische Weltverschwörung glaubt?

Mit lieben Grüssen,

Sascha Lobo

Re: Anfrage zum Fall Helene Hegemann

Hallo liebe Frau S.,

hier die Antworten auf Ihre Fragen:
Was können wir aus dem Fall Helene Hegemann zum Thema Urheberrecht im Internet lernen?
Aus dem konkreten Fall wenig, denn von Autoren abgeschrieben wurde schon immer, völlig unabhängig vom Netz. Dass das Urheberrecht einer Reform bedarf, um den Anforderungen des Digitalen Zeitalters gerecht zu werden, wird in ganz anderen Bereichen deutlich: zum Beispiel, wenn man sich mit der segensreichen Wirkung von Creative Commons auseinandersetzt oder mit dem technischen Aberglauben DRM (Digital Rights Management).
Offenbar gilt es als weniger anstößig, aus einem Internetblog abzuschreiben als aus einem gedruckten Buch. Ist das nachvollziehbar?
Vor dem Hintergrund, dass Blogs in der Kulturlandschaft häufiger pauschal als belangslos abgetan werden, wäre das theoretisch nachvollziehbar. Allerdings glaube ich nicht, dass man hier generalisieren kann anhand eines einzelnen Buchs von einer einzelnen 17jährigen Autorin.

Hat die Generation, die von Beginn an mit Copy and Paste und kopierter Musik aufwächst, überhaupt noch ein Unrechtsbewusstsein beim Klau von Inhalten? Im Falle der Autorin Hegemann hat man nicht den Eindruck. 
Diese Frage halte ich für eine unrichtige Unterstellung. Helene Hegemann hat, soweit ich das beurteilen kann (ich habe nur die "kopierten" Stellen gelesen und nicht das ganze Buch) durchaus ein eigenes Werk geschaffen, vermutlich sogar ein Gutes. Sie hat fremde Texte mehr oder weniger intensiv als Inspiration benutzt und das ist als Mechanik weder neu noch verwerflich, sondern Teil der Kultur, ob man es Remix, Sampling oder Zitat nennt. Ihre Fehler waren, bei doch recht stark angelehnter Textpassagen die Quelle ihrer Inspiration weder zu fragen noch zu nennen. Das geht nicht immer und ist auch nicht immer nötig, wenn man mal einen Halbsatz paraphrasiert – aber bei einem anderen Kurz-Zitat eines bekannten Autors die Verlagsrechte einzuholen und bei einem unbekannten Blogger bei längeren Passagen nicht - das hat einen sehr unangenehmen Beigeschmack. Dass sie medial in meinen Augen etwas unbeholfen reagiert ("Es gibt keine Authentizität"), kommt ungünstig dazu.
Auch die Frage des Unrechtsbewusstseins der Generation muss man differenzierter sehen. Natürlich gibt es Legionen von 17jährigen, die illegal Musik herunterladen. Das ist in meinen Augen falsch und zu Recht illegal. Dass es auf der anderen Seite eine schier unglaubliche Verkettung von Kurzsichtigkeiten und Arroganzen seitens der Musikindustrie gab und noch gibt, die dazu führt, dass man vielen, gerade jungen Menschen sehr schwer macht, sich an die Regeln zu halten, darf nicht unerwähnt bleiben. Ich glaube nicht, dass die Generation von Helene Hegemann pauschal kein Unrechtsbewusstsein hat.

Was sagen Sie dazu, dass der geschädigte Verlag öffentlich macht, dass Hegemanns Vater das betroffene Buch bei Amazon bestellt hat? Wird da nicht jeder Datenschutz übergangen und sollte einem das als Amazon-Kunden zu denken geben?
Ich kann den Verlag verstehen, weil es offenbar Äußerungen der Autorin gab, sie habe nur das Blog gekannt, aber nicht das Buch. Falsch ist es natürlich trotzdem, solche Daten zu veröffentlichen. Drei andere Punkte in diesem Spiel finde ich aber bemerkenswert. 
Durch die Bestellung des Vaters und den Versand des Buchs an die Tochter ergibt sich ein etwas ungünstiges Bild, nämlich das des elterlichen Einflüsterers fast wie man es von seltsamen Sport-Eltern kennt: der Vater treibt seine Tochter an, erwartet Höchstleistungen und drängt sie, mit allen Mitteln - auch verbotenen - zu arbeiten. Ob das hier tatsächlich so war, weiss ich natürlich nicht.
Der zweite Punkt ist die mediale Diskussion darum, die sich seltsam anfühlt. Ich habe den Eindruck, sie wird vor allem in Schutz genommen, weil man diesen kostbaren Schatz – eine 17jährige schreibt lesbares Zeug, dazu noch generationenrelevant und nicht enttäuschte Gedichte! – nicht verlieren möchte. Und wenn ihr Daniel Haas auf Spiegel Online beispringt und sie und den Ullstein Verlag aus der Schußlinie nimmt, aber vergisst zu erwähnen, dass auch er beim Ullstein Verlag veröffentlicht (wie Jo Schäfer gestern auf Twitter herausfand), dann fühlt sich das auch seltsam an.
Der dritte Punkt ist der für mich interessanteste. Es handelt sich um eine derartig fantastische Marketing-Kampagne, dass ich vor Ehrfurcht fast erstarre. Und zwar nicht nur für Helene Hegemann, sondern natürlich auch für den Blogger airen und sogar für die Berliner literarische Subkulturszene. Im kontextuellen Umfeld von airen ist in den letzten Jahren eine Form von digitaler Literatur entstanden, die ich sehr beachtlich finde. Sich mit der Welt zwischen Clubs, Sex, Musik, Drogen und auch irgendwie Politik auseinanderzusetzen, galt zwischendurch offenbar als oberflächlich - aber bei Leuten wie Anton Waldt, meinem ehemaligen Lieblingsblog "Koksen, Kotzen, Kommunismus" (leider inzwischen eingestellt) und eben airen ist etwas herangereift, was eine größere Öffentlichkeit verdient, weil es Substanz hat.
Liebe Grüsse,
Sascha Lobo

Artikel "Konterrevolution beim DFB"

Hallo liebes Spon-Sport-Team und besonders Christoph Biermann,

der Artikel "Konterrevolution beim DFB" ist ebenso kurz wie hervorragend analysiert.
Da kann man auch mal eine lobende Mail schreiben. Schon um der seltsamen, vermutlich sehr deutschen Haltung entgegenzustehen, dass man vor lauter Angst, als anbiedernder Schleimer zu gelten, selten positive Kritik äussert.

Liebe Grüsse und vielen Dank,
Sascha Lobo

wie ich twitter gebrauche

hallo lieber j.,

Am 04.02.2010 um 14:56 schrieb J.:

> wie kann man noch eine timeline mit mehr als 500 followees überblicken? [...] was die vielleicht alle interessantes zu sagen haben, rauscht dabei doch total durch... oder nicht?

eher nicht.
ich halte den anspruch, auf twitter alles mitbekommen zu wollen, nicht für grundsätzlich falsch - aber für dem medium nicht angemessen. nur, weil man einen fernseher hat, muss man ja nicht rund um die uhr alle kanäle ansehen (ups, etwas maue metapher, aber egal). ich gehe nach dem bekannten muster "important news will reach me" vor; es funktioniert überraschend gut dafür, dass die meisten von diesen albernen sinnsprüchen von beratern erfunden werden, um trotz herkömmlicher frisur besonders avantgardy zu wirken.
ich schaue in die timeline hinein, so fünfzehn, zwanzig mal am tag, manchmal mehr, manchmal weniger, jeweils für drei minuten. dabei sehe ich immer dinge, die mich interessieren, denen gehe ich nach. bei ca. 20 leuten schaue ich auf dem profil alles an, was sie twittern, aber eben nicht in echtzeit, sondern so einmal am tag. bei weiteren 50 bis 100 gehe ich ab und zu aufs profil und schaue mir an, was sie in den letzten vier, fünf tagen getwittert haben. diese profile unterliegen einer art reversem erinnerungs-darwinismus. will sagen: wenn ich mich an den namen erinnere, gebe ich ihn direkt in die browserzeile ein, sonst gehe ich eben nicht drauf.

es ist ja nur extrem selten so, dass jemand etwas twittert, was man wirklich genau in dieser sekunde mitbekommen muss. meist reicht als überblick auch, wenn man es ein paar tage danach mitbekommt. im gegenteil kann man sich zu wirklich wichtigen dingen meist dann erst eine gute meinung bilden. einfaches beispiel: über das ipad wurden in hektischem aktionismus hunderte artikel verfasst. aber welche sind gut? das stand erst nach einigen tagen fest, weil diese dann immer noch empfohlen wurden. wäre ich jedem link gefolgt (und auch gute leute twittern ja viel quatsch), hätte ich den entscheidenden artikel verpasst, weil niemand auf der welt den zwanzigsten artikel über das ipad noch ernsthaft lesen kann - selbst, wenn es der beste überhaupt ist.

auf diese weise folge ich 2254 leuten, sehe ab und an zufällig interessantes von jemandem, von dem ich das nie vermutet hätte – viele vorschnell gefällte urteile erweisen sich später als eben vorschnell, übrigens – und kann trotzdem sehen, was die relevanteren twitterer so schreiben, nur eben nicht in echtzeit. ich verwende im schnitt ein bis zwei stunden auf twitter am tag, das mag sich viel anhören. aber von den zwanzig interessantesten und wichtigsten links der letzten sechs monate habe ich neunzehn über twitter bekommen. die hälfte davon baue ich regelmässig in vorträge und artikel ein, die ich schreibe und so refinanziert sich sogar die zeit, die ich auf und mit twitter verbringe.

über die sozialen komponenten des verfolgens und zurückfolgens schreibe ich demnächst mal einen artikel, ich muss jetzt wieder ans buch ;)

liebe grüsse,
sascha

Etwas kleines Seltsames, nur scheinbar Unangenehmes

Hallo lieber Stephan,

<management summary>Bitte um Verfolgung auf Twitter</management summary>

neulich ist mir etwas Doofes passiert. Ich würde Dich bitten, mir beim Rückgängigmachen zu helfen.

Ich wollte Dir eine Nachricht auf Twitter schicken, ich glaube, Du hattest eine Frage gestellt, deren Antwort ich wusste (ich antworte selten öffentlich). Weil ich immer das Web-Interface benutze, ging ich auf Dein Profil und wollte "message" klicken. Ich hoffe sehr, dass mein Unterbewusstsein nichts damit zu tun, jedenfalls klickte ich aus Versehen (wirklich aus Versehen!) auf das unmittelbar darunter befindliche "block".
Normalerweise gibt es dann eine Rückfrage "Wollen Sie die Person tatsächlich blocken?" oder so ähnlich. Jetzt kommen aber zwei besondere Prozesskomponenten zusammen. Zum einen blocke ich jeden Tag viele Menschen aus verschiedenen Gründen, vor allem, weil sie dann nicht mehr in den "Mentions" vorkommen. Zum zweiten scheint Twitter eine auf seltsame Art lernende Software zu haben. Denn nach einer bestimmten Anzahl von Block-Vorgängen kommt die Netz-und-doppelter-Boden-Abfrage nicht mehr.

Und so blockte ich Dich aus Versehen. Das habe ich selbstredend nach wenigen Femtosekunden rückgängig gemacht und folge Dir wieder. Leider fremdentfollowt man sich selbst mit einem Block, definitionsgemäß. Will sagen, ich folge Dir wieder, aber Du mir nicht mehr. Heimlich hatte ich ein paar Wochen lang gehofft, Du würdest das selbstredend sofort merken, an eine technische Panne glauben und mir wieder folgen. Das ist leider nicht passiert, der Mensch neigt ja sowieso zur egozentrischen Selbstüberschätzung und ich ganz besonders.
Um es so kurz zu machen, wie die Mail ja jetzt schon länger nicht mehr ist, würde ich Dich bitten, mir wieder zu folgen.

Es sei denn, Du willst gar nicht mehr, in diesem Fall tue ich dann einfach so, als sei mir das eh nicht so wichtig.

Liebe Grüsse,
Sascha

Mailadresse Philip Meinhold

Hallo liebe Presseabteilung der taz,

ich bin mir gar nicht so sicher, ob Ihr die richtigen Adressaten seid, aber es handelt sich auch nach intensiverer Suche um die einzige Mailadresse auf Eurer Seite taz.de - abgesehen von höchst abschreckenden Kontaktformularen - fast wirkt es, als wolltet Ihr nicht durch den mailenden Pöbel angesprochen werden. Das aber nur nebenbei bemerkt,

eigentlich hätte ich gerne eine Mailadresse von Eurem Autor Philip Meinhold, weil ich ihm so gern eine Antwort schreiben möchte auf seinen heutigen Beitrag "Invasion der Hinrenner", zu finden unter http://taz.de/1/wahrheit/artikel/1/invasion-der-hinrenner/
Wäre das möglich?Dankeschön im Voraus und mit lieben Grüssen,

Sascha Lobo

Re: 3 Fragen zur Zukunft der Zeitung an Sascha Lobo

hallo lieber herr houben, liebe frau fischer,

hier die antworten zu den fragen:

Werden die E-Book-Reader das Zeitungswesen verändern?

Ja. Es ist nur noch nicht ganz klar, wie. Denn angenommen, Apple hat tatsächlich soeben das Tablet mit iTunes für Zeitschriften und Zeitungen herausgebracht (wonach es aussieht), dann taumelt die Zeitungswelt des Netzes von der einen Abhängigkeit (Google) in die nächste (Apple). Dort wird zwar mehr Geld zu verdienen sein - aber dass Apple die Regeln macht, dürfte den Verlegern ebenso wenig gefallen wie der Musikindustrie, als iTunes und iPod herauskamen. Insofern sehe ich nach wie vor Gefahren für die Refinanzierung von Journalismus im Netz. Dass die Verleger hier oft unwissend und panisch handeln, erkennt man am undifferenziertern und unklugen Einschlagen abwechselnd auf Google und die Öffentlich-Rechtlichen Medien. Dort liegt nicht das Problem. Auch, wenn das manche gern hätten.

Was werden lokale Medien/Verlage in 5 Jahren ihren Nutzern bieten müssen, damit sie ein relevantes Publikum erreichen?

Die Antwort ist verblüffend einfach (und nicht von mir): mit lokal orientierten, qualitativ hochwertigen Nachrichten, und zwar Nachrichten im weitesten Sinne, also durchaus auch Unterhaltung. Ich kenne mich zu wenig selbst aus, was lokale Nachrichten angeht, aber mir bekannte Experten sagen, dass Lokalnachrichten durch Verlage qualitativ oft grauenerregend daherkommt. Was kein Wunder ist, wenn es in vielen Regionen Quasimonopole der Berichterstattung gibt. Gleichzeitig müssen Verlage einen Weg finden, sich ausserhalb von Werbung zu refinanzieren, Paid Content ist da ein, aber nicht das einzige Modell. Und ziemlich sicher nicht das Allheilbringende.

Wann vertragen sie sich die sogenannten Alpha-Blogger und die Alpha-Journalisten und schütten die Gräben zwischen sich wieder zu?

Dieser Kampf existiert in der Breite sowieso nicht. Fast die Hälfte der meistverlinkten Top-Blogs werden von Journalisten oder Berufskommunikatoren betrieben. In den letzten Jahren hatten vor allem zwei Gruppen großes Interesse, diesen vermeintlichen Gegensatz hochzustilisieren: Journalisten, die sich nicht mit den wichtigen neuen Techniken des Internet differenziert auseinandersetzen wollten und Blogger, die sich vom hohen Ross herab mit ein paar tausend Lesern am Tag wie die Chefredakteure des Internet gefühlt haben. Beiden Gruppen sollte man keine Beachtung schenken. 

Mit lieben Grüssen,

Sascha Lobo

--
Sascha Lobo
+49 172 62 222 29
USt.-IdNr.: DE224152439
--
Wichtiger Hinweis:
Ich betrachte diese Mail als öffentlich. Sie wird deshalb zeitgleich auf http://mailbox.posterous.com veröffentlicht. Wenn Sie das nicht möchten, kontaktieren Sie mich bitte umgehend. Ihre eventuelle Antwort wird selbstredend nicht veröffentlicht.

Re: Pressemitteilung des LV Bremen

hallo lieber erich,

zunächst vielen dank für deine entschuldigung, die mich ehrlich freut und die ich gern annehme. auch, wenn ich sicher bin, dass die pressemitteilung euch mehr geschadet hat als mir und ihr euch in erster linie bei euch selbst entschuldigen müsstet.

ich kann mir zwar kaum erklären, warum eine solche pressemitteilung überhaupt durch die bundespressestelle versendet wird (passiert das wirklich ohne vorheriges durchlesen?), aber auch das ist tatsächlich euer problem. ich fand, dass die beschimpfungen eine nach dem tod von heinrich lübke im politischen zirkus selten gewordene mischung aus grotesk, lustig und selbstdemontierend waren.

was nicht nur euer problem ist, sondern ein größeres: die haltung, mit der die pressemitteilung verfasst wurde, entspricht einer, die ich in vielen online- und offline-diskussionen bei piraten und piratensympathisanten wiederfinde, die spätestens jetzt nicht mehr als "einzelne schwarze schafe" bezeichnet werden können. es handelt sich um den glauben, im besitz der allgemeingültigen wahrheit zu sein und den rest der gesellschaft vom hohen ross herab in gut und böse unterteilen zu können (in der pressemitteilung mustergültig vorgeführt durch den (konstruierten) gegensatz zwischen dem "wahren helden" markus beckedahl und der im übrigen falsch geschriebenen "blockwurst", also mir). 

diese haltung des absoluten wahrheitsbesitzes hört und fühlt sich an wie die katholische kirche im mittelalter. sie wirkt äusserst negativ, und zwar nicht nur nach aussen, sondern auch nach innen, wo dadurch die falschen kräfte, die auch in eurer partei zahlreich und bis in die höchsten gremien vertreten sind, gestärkt werden.

warum ist das nicht nur euer problem? 

weil ich glaube, dass die piratenpartei äusserst wichtige themen behandelt, die für die gesellschaft in den nächsten jahren von der politik verhandelt werden müssen. bei einem teil der themen ähneln meine ansichten der der piratenpartei, ganz nebenbei gesagt, in anderen bereichen differieren wir erheblich - aber wichtig ist die diskussion, aus der am ende gesetze entstehen. wenn dort dieser tonfall bei der piratenpartei durchscheint, spielt man den gegnern eines offenen internets in die hände. wer guten grund hat, den boten nicht ernst zu nehmen, hat es leichter, die botschaft auch lächerlich zu machen*.

insofern würde ich dich/euch bitten, der inneren siebzehnjährigkeit in der partei noch entschiedener entgegenzuwirken.

mit lieben grüssen,

sascha lobo

* ein vorwurf, den ich auch ab und an höre, der sicher nicht vollkommen unberechtigt und aus der luft gegriffen ist, hier aber nicht funktioniert, weil ihr eine partei seid und ich eine privatperson.

Von: Piratenpartei Deutschland Bundespressestelle <presse@piratenpartei.de>
Datum: 18. Januar 2010 09:21:49 MEZ
Betreff: Etablierte Parteien bangen um ihre Wählerstimmen

Etablierte Parteien bangen um ihre Wählerstimmen

Die etablierten Parteien rüsten zum Wettstreit um die Gunst der
Piratenpartei-Wählerschaft auf. Angela Merkel kündigte kürzlich an, die
CDU auch für neue Wählergruppen interessant machen zu wollen und nun
legen auch die Sozialdemokraten nach [1][2].

Nachdem die damaligen Regierungsparteien im letzten Bundestagswahlkampf
bewiesen haben, wenig Kompetenz im Bereich Internet zu besitzen, will
die SPD jetzt ihren Internetrat wiederbeleben. Dieser hatte sich kurz
vor der Wahl, aus Protest gegen die eigene Partei, selbst aufgelöst. Für
einen Neuanfang will die SPD nun mit den Protagonisten der Szene
zusammenarbeiten. Den Anfang soll dabei ausgerechnet der Blogger Sascha
Lobo machen, der seinen "guten" Namen bei Vodafone verbrannt hat und
neulich auf Platz 7 der hundert peinlichsten Berliner gewählt wurde [3].

»Mit dem Versuch, durch "Blockwurst" Lobo Stimmen zu gewinnen, beweist
die SPD, die innerhalb der Bloggerszene nur noch den Titel "Die
Verräterpartei" trägt, eindrucksvoll ihr fehlendes Gespür für die
Community und deren Anliegen«, sagt Erich Sturm, Vorsitzender der
Piratenpartei Bremen. »Innerhalb der Community herrschen Prinzipien, die
nicht einfach umgangen werden können. So ist es zum Beispiel nicht
möglich, einmal verlorene Glaubwürdigkeit wiederzuerlangen. Der
narzisstische Lobo stellt sich jedoch mit Aussagen, wie seinem Vorsatz,
2010 dringend arroganter zu werden, immer mehr ins Abseits« [4][5].

Dass es gelingt, wahre Helden der Szene, wie den Netzpolitik-Blogger
Markus Beckedahl, zu instrumentalisieren, darf getrost bezweifelt
werden. Die Ignoranz, mit der die etablierten Parteien ihnen im letzten
Wahlkampf begegnet sind und ihre Empfehlungen in den Wind geschlagen
haben, ist noch längst nicht vergessen.

SPD, CDU und CSU haben durch ihr bisheriges Verhalten viele Anhänger
verloren und glauben nun, durch solche Aktionen wieder Land gewinnen zu
können. Für die internetaffine Generation hat sich die Piratenpartei
jedoch als einzig legitimer politischer Arm durchgesetzt und daran kann
auch der Internetrat der SPD nichts ändern. Im Gegenteil, die Kraft, die
investiert wird, um zu beweisen, dass die Piratenpartei überflüssig ist,
bestätigt uns in unserem Handeln. Sie stellt die Angst der etablierten
Parteien dar, immer mehr Stimmen an die Piratenpartei zu verlieren.
------------------------------------------------------------------------
Quellen:
[1]
http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article1344493/CDU-Chefin-geht-auf-interne-Kritiker-zu.html
[2]
http://www.ad-hoc-news.de/waehler-spd-will-um-waehler-der-piratenpartei-werben--/de/Politik/20869297
[3]
http://www.tip-berlin.de/kultur-und-freizeit/die-100-peinlichsten-berliner
[4] 


[5]
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/1838978_Sascha-Lobo-Der-Netzbeschmutzer.html?sid=528608ecf2127454fa7c55fa7b6e84a8
------------------------------------------------------------------------
Verantwortlich für den Inhalt dieser Pressemitteilung:
Landespressestelle Bremen der Piratenpartei Deutschland
Verantwortlich für den Versand dieser Pressemitteilung:
Bundespressestelle der Piratenpartei Deutschland
Diese Pressemitteilung finden Sie im Internet unter:
http://www.piratenpartei.de/Pressemitteilung-100118-Etablierte-Parteien-bangen-um-ihre-Waehlerstimmen
------------------------------------------------------------------------
Landespressestelle Bremen:
Ruben Bridgewater
E-Mail: 
presse@bremen.piratenpartei.de
Piratenpartei Bremen
c/o Erich Sturm
Postfach 106401
28064 Bremen

der autoschaden

hallo lieber kai,
wie verlangt sind anbei die fotos vom verstümmelten wagen.
es ist vollkommen korrekt, dass er durchaus eine reinigung vertrüge.

für montag hat die werkstatt das gutachten für die versicherung versprochen. dass es ein wirtschaftlicher totalschaden ist, steht ja schon fest.
um es nochmal zu skizzieren: der restwert liegt laut berechnungstabelle bei 1700 euro, die reparatur dürfte etwa 4000 euro kosten.
liebe grüsse
sascha

(download)